Auch für Nicht-Angler war es kaum zu übersehen: In diesem Winter haben besonders viele Kormorane bei uns in Thüringen überwintert – und das aufgrund zugefrorener Seen auch vermehrt an Fließgewässern. Entsprechend groß war und ist die Sorge bei vielen Bewirtschaftern und Artenschützern, dass hierbei schwere Schäden an den Fischbeständen entstanden sind. Wir nehmen diese Sorgen ernst und unterstützen Vereine im Rahmen unserer Möglichkeiten. Auch an der Gleise, einem strukturreichen und naturnahen Bach im nördlichen Saale-Holzland-Kreis, war über den Winter eine größere Anzahl von Kormoranen Dauergast. Da der ansässige Angelverein keine eigenen Geräte zur Elektrobefischung verfügt, haben wir als Verband geholfen, im Frühjahr eine Bestandserfassung an der Fischfauna durchzuführen.



Dabei zeichnete sich ein trüber Eindruck: An vielen Bereichen, an denen typische Fischunterstände zu erwarten sind, fanden wir keine Tiere vor. Hauptsächlich sind kleine Bachforellen unter 20 und 15 Zentimetern von uns gefangen worden. Fische über 20 Zentimeter waren eine Seltenheit, obwohl der Entnahmedruck durch die Bewirtschafter im vergangenen Jahr nachweislich sehr gering ausgefallen ist. Auffällig war, dass diese größeren Bachforellen in mehreren Fällen verheilte Schnabelwunden aufwiesen. Als zweithäufigste Art haben wir die Elritze protokolliert. Lediglich zwei Bachschmerlen konnten von uns bestätigt werden.



Eine fischereibiologische Auswertung dieser Elektrobefischung mit wissenschaftlich belastbaren Aussagen ist mit den vorhandenen Daten selbstverständlich nicht möglich. Die Spuren des Kormorans an denjenigen Bachforellen, die eine typische Beutefischgröße für die Vögel aufwiesen, sind jedoch auffällig. Logisch, dass die Kormorane sich während ihrer Überwinterung an der Gleise von Fisch ernährt haben. Daraus ergibt sich dann auch die naheliegende Erklärung dafür, dass die Alterspyramide der Bachforellen in der Gleise nach oben hin stark „abgestumpft‟ ist. Kleine Fließgewässer können dem enormen Fraßdruck des Kormorans oftmals kaum standhalten und im schlimmsten Fall kommt es zum kompletten Auslöschen von Fischpopulationen. So bleibt trotz aller Ernüchterung auch ein leises Gefühl der Erleichterung: Es sind noch Fische in der Gleise.
