Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V.

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PFAS und die Angelfischerei

Es ist ein Problem, das inzwischen immer häufiger thematisiert wird: PFAS sind „in aller Munde“ – und das lässt sich leider nicht nur aufs Reden beziehen, sondern vor allem aufs Essen. Hinter der Abkürzung PFAS verbergen sich Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese künstlich geschaffenen Chemikalien kommen zum Beispiel dann zum Einsatz, wenn antihaftende oder wasserabweisende Eigenschaften benötigt werden, etwa bei Beschichtungen von Küchenutensilien oder imprägnierten Textilien. Ein bekannter Vertreter aus der Stoffgruppe ist Teflon, wobei es sich um den Markennamen für PTFE (Polytetrafluorethylen) handelt.

Warum sind PFAS so problematisch? Und was hat das alles mit dem Angeln und ganz allgemein mit unserer Ernährung zu tun? PFAS werden als gesundheitsschädlich eingestuft, da sie unter anderem mit Krebs, Leberschäden und Immunsystemstörungen in Verbindung gebracht werden. Über Industrieabwässer, Materialabrieb oder Löscharbeiten gelangen PFAS in die Umwelt. Entscheidend dabei ist, dass sich PFAS hier nicht abbauen, weswegen sie als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet werden. Als solche sind sie zum Bestandteil der Nahrungsketten geworden und landen unweigerlich auch auf unseren Tellern. Das geschieht vor allem über bestimmte tierische Produkte, zu denen selbstgefangener Fisch zählt. „Wo reichern sich die meisten Umweltgifte in der Nahrungskette der im Wasser lebenden Tiere an? Im Raubfisch.“, so lautet eine Frage und die zugehörige richtige Antwort in der schriftlichen Fischerprüfung in Thüringen. In belasteten Gewässern werden PFAS zunächst vom Makrozoobenthos aufgenommen, also von den sogenannten „Fischnährtieren“ (z. B. Bachflohkrebsen). Diese werden vom Friedfisch gefressen und der wiederum vom Raubfisch. Es greift das Prinzip der Bioakkumulation: Je höher der Fisch in der Nahrungskette steht und je älter er ist, desto mehr ist dieses Individuum potenziell mit Umweltgiften belastet.

Messergebnisse zur PFAS-Konzentration. Ganz rechts: Flussbarsche aus der Bleilochtalsperre. (Quelle: Weissbach, A., Stricker, K., Peise, M. 2021. Biota Monitoring in Thüringen. Ergebnisse der Untersuchungen bis 2020:16.)


Besonders deutlich wird die PFAS-Problematik in der Thüringer Bleilochtalsperre. In einer vom TLUBN im Jahr 2021 herausgegebenen Studie zeigt das populäre Angelgewässer bei adulten Flussbarschen alarmierende Werte von ca. 39 µg PFAS pro Kilogramm Fisch. Kleines Anwendungsbeispiel: Würde ein Mensch von 85 kg Körpergewicht jede Woche nur 100 g Filet dieses Fisches essen, so wäre seine von der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als tolerierbar eingestufte PFAS-Dosis bereits um mehr als das Zehnfache übertroffen. Doch auch wenn die für die Bleilochtalsperre gemessenen Werte besonders auffällig sind, kommt die Studie zu dem Ergebnis, dass die Schadstoffbelastung der untersuchten Thüringer Gewässer mit dem bundesweiten Durchschnitt vergleichbar ist. PFAS ist ein deutschland- und weltweites Problem. (Quelle: https://umwelt.thueringen.de/fileadmin/000_TLUBN/Wasser/Oberflaechengewaesser/Gewaesserguete/Dokumente/Biotabericht_Internet_2020.pdf)

Als Angler möchte man solche Dinge natürlich nur ungern hören. Wegschauen und verdrängen kann jedoch keine dauerhafte Lösung sein. Zum Glück lässt sich die PFAS-Problematik von vielen Seiten anpacken. Zunächst sollten wir beginnen, mehr darüber zu sprechen und den Druck auf die Entscheidungsträger aufrechterhalten. Die Regulierung von PFAS ist zwar schwierig und bietet Schlupflöcher, da es sich um eine große Gruppe an Stoffen handelt, allmählich tut sich jedoch etwas. So zum Beispiel beim EU-Verbot von PFAS-haltigem Löschschaum, dessen Umsetzung bereits im Gange ist. Aber auch abseits großer politischer Entscheidungen kann etwas im Alltag getan werden, indem man als Verbraucher sensibilisiert und entsprechend aufmerksam ist. Für Angler und andere Naturfreunde empfiehlt sich beispielsweise der Umstieg auf PFAS-freie Outdoorkleidung, die einige Hersteller bereits anbieten. Wer seinen Fisch gerne in der Pfanne zubereitet, findet mittlerweile PFAS-freie Alternativen, etwa mit Keramikbeschichtung. (Alte Teflon-Pfannen sollten der Gesundheit zuliebe spätestens dann ausgemustert werden, wenn sie Kratzer aufweisen!)

Aus dem Wasser in die Küche und frisch auf den Tisch, so geht Angelromantik! Gesundheitsbewusste Angler schränken jedoch den Verzehr bestimmter Arten aus belasteten Gewässern ein. (Foto: H. Hoffmann)


Zu guter Letzt sollten wir als Angler unsere individuellen Fischentnahme-Mengen immer wieder hinterfragen, sowohl in Hinblick auf die nachhaltige Nutzung der heimischen Fischbestände als auch auf die individuelle Lebensmittelsicherheit. Fisch an sich gilt als gesund, aber muss er jeden Tag auf den Teller? Die Frage gilt im Übrigen nicht nur für Hecht, Barsch und Zander, sondern ebenso für die Bachforelle. Denn: Einerseits ist ein nachhaltiges Entnahme-Management essenziell für den Erhalt der einheimischen Salmoniden. Andererseits ist die Bachforelle ein im adulten Stadium zunehmend räuberisch lebender Fisch, der je nach Gewässer stark mit PFAS belastet sein kann.

Zugegeben, eine tiefgreifende Beschäftigung mit der PFAS-Problematik kann einem die Lust auf den nächsten Angeltrip gehörig vermiesen. Das Thema wird uns jedoch, ähnlich wie Mikroplastik, noch für Jahrzehnte begleiten, das ist nun einmal leider die Realität. Als Anglerschaft sollten wir uns dieser Realität stellen und für einen transparenten und lösungsorientierten Umgang mit jeglicher Gewässerverschmutzung eintreten. Letztendlich schützen wir damit nicht nur die Zukunft unserer heimischen Gewässer, sondern tragen zum Erhalt der Angelfischerei bei.

Wer sich weiter zu PFAS informieren will, z. B. zu den Messdaten bestimmter Gewässer, kann in den Berichten der entsprechenden Umweltlandesämter mehr Informationen finden. In Thüringen erwarten wir den aktuellen Biota-Bericht bereits mit großer Spannung. Zum Ausblick noch ein positives Beispiel aus unserem südlichen Nachbarland: Im Juni dieses Jahres wurde in der Schweiz eine Resolution zum Umgang mit PFAS veröffentlicht. Zu den unterzeichnenden Verbänden zählen unter anderem der Schweizerische Fischereiverband und der Schweizerische Berufsfischerverband. Die Resolution kann HIER eingesehen werden.


H. Hoffmann