Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V.

Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e.V.

Nach dem Kormoran-Winter …

Auch für Nicht-Angler war es kaum zu übersehen: Den Winter 2025/2026 haben besonders viele Kormorane in Thüringen verbracht – und das aufgrund zugefrorener Seen auch vermehrt an Fließgewässern. Entsprechend groß war und ist die Sorge bei vielen Bewirtschaftern und Artenschützern, dass hierbei schwere Schäden an den Fischbeständen entstanden sind. Der Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen e. V. (VANT) nimmt diese Sorgen ernst und unterstützt Vereine im Rahmen seiner Möglichkeiten. Auch an der Gleise, einem strukturreichen und naturnahen Bach im nördlichen Saale-Holzland-Kreis, war über den Winter eine größere Anzahl von Kormoranen Dauergast. Da der Bewirtschafter, der Angelverein Unteres Gleistal e. V., keine eigenen Geräte zur Elektrobefischung besitzt, hat der VANT geholfen, im Frühjahr 2026 eine Bestandserfassung der Fischfauna durchzuführen.

Leider zeichnete sich bei der Befischung der etwa einen Kilometer langen Gewässerstrecke ein trauriges Bild: An vielen Stellen, wo typische Fischunterstände zu erwarten waren, wurden keine Tiere vorgefunden. Hauptsächlich sind kleine Bachforellen von unter 20 und 15 Zentimetern bei der Erfassung gefangen worden. Fische über 20 Zentimeter waren eine Seltenheit, obwohl der Entnahmedruck durch die Bewirtschafter im vergangenen Jahr mit drei entnommenen Individuen nachweislich gering ausfiel. Auffällig war, dass diese größeren Bachforellen in mehreren Fällen verheilte Schnabelwunden aufwiesen. Als zweithäufigste Art wurde die Elritze protokolliert. Lediglich zwei Bachschmerlen konnten bestätigt werden.


Für eine fischereibiologische Auswertung auf wissenschaftlichem Niveau reichen die bei dieser einzelnen Befischung gewonnenen Daten natürlich nicht aus. Gewiss ist nur, dass sich die Kormorane während ihrer Überwinterung an der Gleise von Fisch ernährt haben und dass pro Vogel mit etwa 500 Gramm Nahrungsbedarf pro Tag gerechnet werden muss. Daraus ergibt sich dann auch die naheliegende Erklärung dafür, dass die Alterspyramide der Bachforellen in der Gleise nach oben hin stark „abgestumpft‟ zu sein scheint. Unsere heimischen Gewässer befinden sich zumeist in keinem guten Zustand, da sie unter vielen anthropogenen Einflüssen, z. B. Querverbauungen und stofflichen Einträgen, leiden. Addiert sich hierzu noch der Fraßdruck eines zu hohen Kormoran-Bestandes, haben vor allem kleine Fließgewässer wenig entgegenzusetzen und im schlimmsten Falle kommt es zum kompletten Auslöschen von Fischpopulationen. Von derart herben Rückschlägen wurde die Gleise bereits in der Vergangenheit heimgesucht. Mehrere illegale Einleitungen in den Jahren 2018 und 2019 führten zu einem Totalverlust des Fischbestandes. Daraufhin hatte der Angelverein Unteres Gleistal e. V. eine selbst reproduzierende Population an Bachforellen neu aufgebaut. Im Sinne der nachhaltigen Gewässerbewirtschaftung verzichtet der Verein auf einen Besatz mit maßigen Zuchtfischen und den damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf die Gewässerökologie. Das ist positiv hervorzuheben, macht aber größere Bestandsverluste besonders schmerzhaft.

Fazit: Die Ergebnisse der Bestanderfassung sind ernüchternd, trotzdem gab sie den Beteiligten auch ein leises Gefühl der Hoffnung. Es sind noch Fische in der Gleise. Der Angelverein Unteres Gleistal e. V. muss nun jedoch zum wiederholten Male einen Neubeginn wagen.

Gelächelt werden darf trotzdem: Das Team, das die E-Befischung durchgeführt hat